Theodor Kramer Programm

Andre, die das Land so sehr nicht liebten ...
Eine poetische Hommage an Theodor Kramer - von Manfred Baumann.
Mit Manfred Baumann, Georg Clementi, Sigrid Gerlach-Waltenberger (Akkordeon)
Andre, die das Land so sehr nicht liebten,
warn von Anfang an gewillt zu gehn;
ihnen - manche sind schon fort - ist besser,
ich doch müßte mit dem eignen Messer
meine Wurzeln aus der Erde drehn.
Und er mußte seine Wurzeln aus der Erde drehn, mußte ins Exil nach England und ist daran fast zugrunde gegangen.
Theodor Kramer, 1897 in Niederösterreich geboren, Sohn eines jüdischen Arztes, mit der Sehnsucht nach Landschaft, Menschen und Wahrheit ausgestattet, war in den Dreißiger Jahren einer der gefragtesten österreichischen Lyriker.
Thomas Mann nannte ihn: "Einen der größten Dichter der jüngeren Generation".
Stefan Zweig und Carl Zuckmayr förderten seine Arbeiten.
Und doch genügten die 18 Jahre des Exils in England, um sein Werk der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, zumindest in der breiteren literarischen Öffentlichkeit. Und eben für diese hatte er sein Werk bestimmt, wie kaum ein anderer Lyriker dieser Zeit.
Er bewahrte sich sein Leben lang den Blick für das Dasein am Rand. Zarte Liebesgedichte stehen neben Derbem und Sinnlichem, Wehleidiges steht neben Mutigem, einfühlsame Landschaftsbilder stehen neben scharf gezeichneten Gesellschaftsskizzen.
Theodor Kramers Leben war die Sprache, er hatte den Zwang, jeden Tag ein Gedicht zu schreiben. Er schrieb nicht nach irgendeiner "Grundidee", er schrieb, was ihm gerade passierte, was ihm wehtat, worüber er sich ärgerte, was ihm Lust bereitete, was ihn berauschte.
Er starb am 3.April 1958.
Manfred Baumann und Georg Clementi versuchen ( zusammen mit der Akkordeon-Virtuosin Sigrid Gerlach-Waltenberger) in einer poetischen Collage aus Gedichten, Liedern und eigenen Texten dem Phänomen Theodor Kramer nachzuspüren.
Erstaufführung: 1.2.2007 Mauthausen